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Ervan Cranes

Branche & Regelwerke 7 Min. Lesezeit

Normen für Brückenkrane: EN 15011, EN 13001 und Verordnung 2023/1230

Welche Vorschriften und Normen gelten für Brückenkrane? Maschinenrichtlinie und Maschinenverordnung 2023/1230, EN 15011, EN 13001, der CE-Ablauf und Prüfungen nach BetrSichV.

Ervan Cranes Engineering

Laufkatze mit angeschlossenem Schaltschrank

Normen für Brückenkrane stehen in Europa unter einem gemeinsamen Rechtsrahmen: der Maschinenrichtlinie 2006/42/EG, die ab dem 20. Januar 2027 durch die Maschinenverordnung (EU) 2023/1230 abgelöst wird. EN 15011 ist die Produktnorm für Brücken- und Portalkrane, die Reihe EN 13001 regelt die Bemessung. Den Betrieb regeln nationale Vorschriften wie BetrSichV und DGUV Vorschrift 52.

Gesetz, Norm, Betriebsvorschrift: Was ist verbindlich?

Für jeden Kran gelten drei Ebenen, die häufig verwechselt werden. Wer sie auseinanderhält, weiß, was er vom Lieferanten verlangen kann und was als Betreiber seine eigene Pflicht bleibt.

  • EU-Recht (Richtlinie oder Verordnung) legt die grundlegenden Sicherheits- und Gesundheitsschutzanforderungen fest, die ein Kran vor dem Inverkehrbringen erfüllen muss. Es ist verbindlich.
  • Harmonisierte Normen beschreiben technische Lösungen. Ihre Anwendung ist freiwillig; ein Kran, der nach einer im Amtsblatt der EU veröffentlichten harmonisierten Norm ausgelegt ist, löst aber für die von ihr erfassten Anforderungen die Vermutungswirkung aus.
  • Nationale Betriebsvorschriften richten sich an den Arbeitgeber: sichere Verwendung, Prüfungen, Unterweisung. Sie gelten über die gesamte Lebensdauer des Krans.

Weicht ein Hersteller von einer harmonisierten Norm ab, muss er die gleichwertige Sicherheit auf anderem Weg nachweisen, etwa durch Berechnung, Prüfung und Risikobeurteilung. Das ist zulässig, aber schwerer nachzuvollziehen; prüfen Sie deshalb die Normenliste in der Konformitätserklärung.

Rechtsrahmen: von der Maschinenrichtlinie zur Maschinenverordnung 2023/1230

Maschinenrichtlinie 2006/42/EG

Bis zum 19. Januar 2027 werden Brückenkrane nach der Richtlinie 2006/42/EG in Verkehr gebracht. Anhang I enthält die grundlegenden Anforderungen, darunter einen eigenen Teil zu Gefährdungen durch Hebevorgänge. Zwei Beispiele: Kraftbetriebene Hebezeuge müssen einer statischen Prüfung mit mindestens dem 1,25-Fachen und einer dynamischen Prüfung mit dem 1,1-Fachen der Nennlast standhalten (4.1.2.3); ab 1000 kg Nennlast ist eine Überlastsicherung erforderlich (4.2.2).

Maschinenverordnung (EU) 2023/1230

Ab dem 20. Januar 2027 gilt stattdessen die Maschinenverordnung. Als Verordnung ist sie in allen Mitgliedstaaten unmittelbar anwendbar, ohne nationale Umsetzung. Für Käufer bleibt das CE-Prinzip gleich: Der Hersteller bewertet die Konformität, stellt die Konformitätserklärung aus und bringt die CE-Kennzeichnung an. Eine praktische Neuerung: Die Betriebsanleitung darf digital bereitgestellt werden; wer gedruckte Exemplare braucht, sollte das im Vertrag festhalten.

Maßgeblich ist der Zeitpunkt des Inverkehrbringens. Ein Kran, der vorher nach der Richtlinie geliefert und in Betrieb genommen wurde, behält diese Grundlage; bei Projekten mit Übergabe ab dem 20. Januar 2027 sollten Sie klären, auf welchen Rechtsakt sich die Erklärung bezieht. Nach der Richtlinie heißt das Dokument EG-Konformitätserklärung, nach der Verordnung EU-Konformitätserklärung.

Weitere Richtlinien und die Türkei

Für die elektrische Ausrüstung ergänzen die Niederspannungsrichtlinie 2014/35/EU (elektrische Sicherheit) und die EMV-Richtlinie 2014/30/EU (elektromagnetische Verträglichkeit, etwa bei Frequenzumrichtern) die Maschinenvorschriften. In der Türkei ist die Maschinenrichtlinie als Makine Emniyeti Yönetmeliği umgesetzt, sodass dort dasselbe CE-Prinzip gilt.

Harmonisierte Normen für Brückenkrane

Für einen Brückenkran bilden in der Regel die folgenden Normen die technische Grundlage. EN 15011 ist die Produktnorm; sie verweist für die Bemessung auf die Reihe EN 13001 und für Komponenten und Benutzerinformation auf eigene Normen.

NormInhalt
EN ISO 12100Allgemeine Gestaltungsleitsätze, Risikobeurteilung und Risikominderung
EN 15011Brücken- und Portalkrane
EN 13001-1Kranbemessung: allgemeine Prinzipien und Anforderungen
EN 13001-2Kranbemessung: Lasteinwirkungen
EN 13001-3-1Nachweis von Stahltragwerken
EN 14492-2Kraftbetriebene Hubwerke (Seil- und Kettenzüge)
EN 13135Konstruktion der mechanischen und elektrischen Ausrüstung
EN 12077-2Begrenzungs- und Anzeigeeinrichtungen
EN 13557Stellteile und Steuerstände
EN 12644-1 / -2Informationen für Benutzung und Prüfung: Anleitungen, Kennzeichnung
EN 60204-1 / -32Elektrische Ausrüstung: allgemein und für Hebezeuge

Weitere Teile der EN 13001 behandeln Komponenten wie Drahtseile und den Rad-Schiene-Kontakt; für Schwenkkrane gibt es mit EN 14985 eine eigene Produktnorm. Normen werden überarbeitet – fragen Sie deshalb nach den angewandten Ausgaben.

Die Einstufung ist ein eigenes Thema: EN 13001 beschreibt die Beanspruchung über Lastkollektiv und Anzahl der Arbeitsspiele, während in Spezifikationen weiterhin Triebwerksgruppen nach FEM 9.511 und ISO 4301 wie 2m oder M5 üblich sind. Wie die Systeme zusammenhängen, erklärt unser Beitrag zur Kran-Einstufung nach FEM, ISO und CMAA.

CE-Kennzeichnung am Kran: der Ablauf Schritt für Schritt

Die CE-Kennzeichnung steht am Ende eines Prozesses, sie ist kein Aufkleber. Bei einem Brückenkran arbeitet der Hersteller typischerweise diese Schritte ab:

  1. Risikobeurteilung nach EN ISO 12100: Gefährdungen in allen Lebensphasen von der Montage bis zur Demontage ermitteln und Risiken mindern.
  2. Konstruktion nach harmonisierten Normen: Tragwerk, Triebwerke, Elektrik und Steuerung, einschließlich Einstufung und Berechnungen.
  3. Technische Unterlagen: Zeichnungen, Berechnungen, Risikobeurteilung, Normenliste, Prüfberichte und Anleitungen. Der Hersteller hält sie für die Behörden bereit; Käufer erhalten sie in der Regel nicht vollständig.
  4. Prüfungen: Funktionsprüfungen und Lastprüfungen, statisch mit mindestens dem 1,25-Fachen, dynamisch mit dem 1,1-Fachen der Nennlast. Da Brückenkrane meist erst am Einsatzort montiert werden, finden diese Prüfungen normalerweise nach der Montage vor Ort statt.
  5. Konformitätserklärung, vom Hersteller unterzeichnet, mit Angabe des Krans, der Rechtsakte und der angewandten Normen.
  6. CE-Kennzeichnung am Kran, zusammen mit den Typenschildangaben wie der Tragfähigkeit.
  7. Betriebsanleitung in der Sprache des Verwenderlandes, mit Angaben zu Betrieb, Wartung und Prüfung.

Details zu Montage und Lastprobe finden Sie im Beitrag Montage und Inbetriebnahme eines Brückenkrans. Oft übersehen: Wer aus zugekauften Komponenten einen kompletten Kran zusammenbaut, wird rechtlich dessen Hersteller und ist für diesen Ablauf verantwortlich.

Im Betrieb: Prüfungen in der EU, in Deutschland und der Türkei

Nach der Inbetriebnahme liegt die Verantwortung beim Arbeitgeber. Die Arbeitsmittelrichtlinie 2009/104/EG verlangt Prüfungen nach der Montage und vor der ersten Inbetriebnahme, wiederkehrende Prüfungen sowie außerordentliche Prüfungen nach Ereignissen wie Änderungen, Unfällen oder längerer Nichtbenutzung. Die Einzelheiten regeln nationale Vorschriften:

  • Deutschland: Nach der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) legt der Arbeitgeber Art, Umfang und Fristen der Prüfungen in der Gefährdungsbeurteilung fest. Die DGUV Vorschrift 52 fordert, Krane mindestens einmal jährlich durch einen Sachkundigen (befähigte Person) prüfen zu lassen; die Ergebnisse werden im Kranprüfbuch dokumentiert.
  • Türkei: Die İş Ekipmanlarının Kullanımında Sağlık ve Güvenlik Şartları Yönetmeliği folgt demselben Ansatz; Hebezeuge werden in den dort festgelegten Abständen, in der Regel jährlich, von befugten Personen geprüft.

Zwischen den Prüfungen kontrolliert der Kranführer zu Schichtbeginn Bremsen, Endschalter und weitere Sicherheitseinrichtungen am Brückenkran. Ein vorhandener Kran muss nicht bei jeder Normrevision nachgerüstet werden, aber sicher bleiben; eine wesentliche Veränderung wie eine höhere Tragfähigkeit kann dazu führen, dass er wie eine neue Maschine zu bewerten ist.

Welche Unterlagen Käufer anfordern sollten

Ob Sie in Deutschland, in der EU oder für ein Exportprojekt einkaufen: Nehmen Sie diese Punkte ins Lastenheft auf.

  • Konformitätserklärung für den konkreten Kran (Seriennummer) mit Rechtsakt (2006/42/EG oder, bei Übergabe ab dem 20. Januar 2027, Verordnung (EU) 2023/1230) und den angewandten Normen samt Ausgabe.
  • CE-Kennzeichnung und Typenschild mit Tragfähigkeit.
  • Betriebs-, Wartungs- und Prüfanleitung auf Deutsch, gedruckt oder digital wie vereinbart.
  • Protokolle der Lastprüfungen und der Inbetriebnahme, einschließlich der Einstellung von Überlastsicherung und Endschaltern.
  • Stromlaufpläne und eine Liste der Sicherheitsfunktionen.
  • Auslegungsdaten: Einstufung (EN 13001 oder FEM/ISO), Tragfähigkeit und die Radlasten, die Ihr Tragwerksplaner für die Kranbahn braucht.
  • Ersatzteilliste und die Unterlagen, die der Prüfer für das Kranprüfbuch und die erste Prüfung benötigt.

Wenn Sie Angebote für Brückenkrane vergleichen, prüfen Sie, ob jeder Anbieter dieselben Normen und Unterlagen nennt. Fehlt ein Punkt, lohnt eine Rückfrage vor der Unterschrift.

Konformität bei Ervan Cranes

Ervan Cranes verfügt über die CE-Konformitätsbestätigung ECP.25.02.C0045, ausgestellt von ECP für die darin aufgeführten Kranmaschinen-Modelle nach der Maschinenrichtlinie 2006/42/EG und der Niederspannungsrichtlinie 2014/35/EU. Als Referenznormen nennt sie, jeweils in der TS-EN-Fassung, EN ISO 12100, EN 60204-1, EN 12077-2, EN 12644-1, EN 12644-2, EN 13001-1, EN 13135, EN 15011, EN 13557, EN 14238 und EN 60447.

Die Bestätigung wurde in einem freiwilligen Verfahren ohne notifizierte Stelle ausgestellt und ersetzt nicht die Konformitätserklärung des Herstellers. Sie finden das Dokument auf unserer Website; was es bedeutet, erläutert der Beitrag Was unsere CE-Konformitätsbestätigung bedeutet.

Häufig gestellte Fragen

Ist die CE-Kennzeichnung für einen Brückenkran Pflicht?

Ja. Ein kraftbetriebener Brückenkran ist eine Maschine im Sinne der Maschinenrichtlinie und ab dem 20. Januar 2027 der Verordnung (EU) 2023/1230. Er darf nur mit Konformitätserklärung, CE-Kennzeichnung und Betriebsanleitung in Verkehr gebracht oder in Betrieb genommen werden. In der Türkei gilt dasselbe nach der Makine Emniyeti Yönetmeliği.

Was ändert sich mit der Maschinenverordnung 2023/1230?

Für Käufer bleibt das CE-Prinzip gleich: Der Hersteller bewertet die Konformität, unterschreibt die Erklärung und kennzeichnet den Kran. Anleitungen dürfen digital bereitgestellt werden, und für Krane, die ab dem 20. Januar 2027 in Verkehr gebracht werden, ändert sich der Rechtsbezug in der Erklärung. Klären Sie Projekte rund um diesen Termin frühzeitig mit Ihrem Lieferanten.

Muss ein alter Kran neue Normen erfüllen?

Nicht automatisch. Ein Kran muss die Vorschriften erfüllen, die beim Inverkehrbringen galten, und durch Wartung und Prüfung sicher gehalten werden. Wesentliche Veränderungen oder Erkenntnisse aus der Gefährdungsbeurteilung können jedoch Nachrüstungen erfordern.

Wer führt die wiederkehrenden Prüfungen durch?

In Deutschland ein Sachkundiger bzw. eine zur Prüfung befähigte Person, mindestens einmal jährlich nach DGUV Vorschrift 52 und BetrSichV. In der Türkei sind es befugte Personen nach der İş Ekipmanları Yönetmeliği, bei Hebezeugen in der Regel jährlich. Die Wartung kann der Kranhersteller übernehmen; verantwortlich für die Prüfungen bleibt der Arbeitgeber.

Nennen Sie uns Last, Spannweite, Hubhöhe, Einsatzbedingungen und das Verwenderland Ihres Krans – wir klären gemeinsam, welche Normen und Unterlagen für Ihr Projekt gelten. Starten Sie mit einer Angebotsanfrage.

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